Was ist denn da in den Freibädern los?

In Deutschland gibt es mittlerweile zu jedem Diskurs eine rassistische Lesart: Wenn die Schüler in den Schulen das Falsche oder zu wenig lernen, liegt es daran, dass immer mehr von ihnen einen „Migrationshintergrund“ haben, der Mangel an bezahlbarem Wohnraum wird nicht mit der Gier der Immobilienbesitzer assoziiert, sondern – ebenso wie der wachsende Antisemitismus oder die immer noch virulente Homophobie – mit dem Zuzug von Fremden.

Seit einer Woche wird nun in der Presse und in rassistischen Blogs behauptet, dass Ausländer dafür verantwortlich seien, wenn es in Freibädern zu Auseinandersetzungen komme. Auslöser dieser Kampagne war ein Vorfall im Düsseldorfer Rheinbad, bei dem sich eine große Menge Jugendlicher versammelte, als sich ein Badegast mit anderen stritt. Auch wenn niemand sich prügelte und niemand verletzt wurde, rückten Polizisten an, trennten die Streitenden und schlossen das Bad. Im Anschluss an diesen Vorfall fehlte in kaum einem Bericht der Hinweis darauf, es habe sich um „nordafrikanisch“ aussehende Jugendliche gehandelt, auch wenn bei den wenigsten von ihnen Personenkontrollen durchgeführt wurden. Aber bei der Analyse von Herkunftsmerkmalen waren deutsche Polizisten immer schon führend.

Die Stadt Düsseldorf beschloss daraufhin, die Zahl der Security-Mitarbeiter in den Freibädern zu erhöhen. Auf den Gedanken, die Zahl der Freibäder zu erhöhen, kam niemand. Dabei ist seit 2000 ein Zehntel aller öffentlicher Bäder in Deutschland geschlossen worden. Hinzu kommt der Umbau vieler Badeanstalten zu teuren – und trotzdem defizitären – Spaßbädern, die sich Menschen mit geringem Einkommen nicht leisten können. Anders gesagt: die Schließung von Freibädern ist ein Krieg gegen die Armen, die sich damit abzufinden haben, dass ihnen immer weniger öffentliche Flächen zur Verfügung stehen. Um von diesem Skandal in einem der reichsten Länder Europas abzulenken, wird der rassistische Diskurs geführt, welcher Aggressionen, die sich aus der Überfüllung ergeben, mit der Herkunft der Badegäste erklärt. Als einzige Reaktion kennt er nur den Einsatz von immer mehr Polizisten und immer mehr Sicherheitskräften.

Dieser Diskurs ist der vielleicht größte Erfolg der sich in der AfD versammelnden faschistischen Rechten und ihres prominentesten Vordenkers, des Sozialdemokraten Sarrazin.

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„Grenzschutz und Aufbauhilfe“

heißt die Überschrift im „Deutschland-Kurier“, und beide Identitäre sind in sandfarbenen Shorts zum Interview angetreten, nur steht da kein Rommel vor ihnen, sondern ein aufgequollener Mann mit einem Froschgesicht, dem niemand ihre Sehnsuchtstruppe, das Afrika-Korps, anvertrauen würde.

„Während man uns Gymnasiasten gelehrt hat, unsere eigene Geschichte und Identität zu hassen,

sind die jungen Türken an der Hauptschule nebenan wie die Herren im Haus aufgetreten. (…) Einige Male musste die Polizei an die Schule ausrücken, um Schlimmeres zu verhindern. Da habe ich angefangen zu rebellieren: Ich wollte mir selbst nicht vorwerfen, nichts gegen diese Zustände getan zu haben,“ berichtet der Identitäre Mario Müller auf einer Syrienreise dem Matussek, der so begeistert von ihm ist, dass er ihn prompt zum Geburtstag einlud. Im Rückblick auf die eigene „Rebellion“ wird klar, warum Rechte wie Rechte handeln: sie meinen, die Polizei unternehme einfach zu wenig.

„So viele Fragen“ (Britta)


“ Niedriger Lohn, magere Rente – was ist uns Arbeit wert? Was ist schief gelaufen in Deutschland, dass so viele Menschen von ihrem Erwerb nicht mehr leben können? Wie hoch muss der Mindestlohn sein, um vor Armut zu schützen? Und sind die SPD-Sozialstaatspläne überhaupt finanzierbar?“

Anne Will fragt nach. „Dann machen wir Schluss und beim nächsten fängt’s wieder von vorne an.“


„Wer sich Jahrzehnte mit guten Gründen und Argumenten an Linken

und Alternativen abmüht, dem droht der Tunnelblick“, schreibt Arthur Buckow in der Jungle World 09/19 über den „Naziautogrammjäger“ (Tim Wolff). Sieht man sich daraufhin das Video über seinen Auftritt vor dem Petitionsausschuss an, in welchem er patzig eine Abgeordnete der Linken anfährt, er rede nicht mit der SED, dann ist da von guten Gründen wenig, sondern viel von der „infantilen Rechthaberei“ zu spüren, die Buckow ebenfalls diagnostiziert. Man könnte ihm ja zugute halten, dass diese Regression aus einem Unbehagen darüber, in welche Kreise man geraten sei, resultiert, aber auch dieses Schicksal ist ja selbstgewählt.