Kautschukboom: White man driving, white man fucking

Wer sich zu arbeiten weigerte, wurde erschossen, erschossen wurde auch, wer zu fliehen versuchte. Wen man bestrafen wollte, den hängte man kopfüber an einen Baum und überließ ihn seinem Schicksal. Als Beweis ihrer Mordtaten mussten die Soldaten die Hände ihrer Opfer vorlegen, auch Lebenden wurden die Hände abgetrennt, wenn sie nicht arbeiten wollten oder wenn es galt, den Munitionsverbrauch zu erklären. Der Besitzer dieser Kolonie, dieser Hölle war ein europäischer Verbrecher deutscher Herkunft, die Gepflogenheiten der Zeit brachten es mit sich, dass er nicht „Schuft“ genannt wurde oder „Lump“, sondern „König“. Ihm, Leopold II. von Belgien, gelang es, die Produktion des Rohstoffs, nach dem die Welt gierte, erheblich zu steigern, während sich die Zahl der Koloniebewohner gleichzeitig halbierte.

Selbe Zeit, selber Rohstoff: In einem südamerikanischen Land sorgte ein Unternehmer dafür, dass seine indigenen Sammler ohne Pause arbeiteten. Wenn sie dies nicht taten, wurden sie gefoltert, Journalisten, die über die Produktionsbedingungen berichten wollten, wurden eingeschüchtert und zusammengeschlagen.

Der Rohstoff, um den es ging, war Kautschuk. Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er in großen Mengen benötigt, um unter anderem Fahrrad- und Autoreifen herzustellen. Die steigende Mobilität weißer Männer (wir lassen die wenigen Frauen hier einmal unberücksichtigt, das Fahrradfahren stand lange im Verdacht, die weibliche Onanie zu fördern und daher wurden Radlerinnen kritisch beäugt) wurde mit der Entvölkerung ganzer Landstriche bezahlt, man schätzt, dass die Herrschaft Leopolds II. im Kongo 10 Millionen seiner Bewohner das Leben gekostet hat. 10 Millionen Tote – dies ist die Eröffnungsbilanz des automobilen Kapitalismus.

Aber da nun auch Kondome leichter herzustellen waren, bescherte der Kautschukboom und die ihn begleitende Zwangsarbeit dem weißen heterosexuellen Mann auch den Schutz vor Geschlechtskrankheiten und ungewollten Schwangerschaften, also eine gewisse Sicherheit bei seinen Affären. Unbeschwertes Ficken auf Kosten der Bewohner des Trikonts: Die Welt, die sich der Kapitalismus geschaffen hat, ließe sich kaum auf ein passenderes Bild bringen.

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Die Abenteuer der Silvesternacht. Miszellen

Kaum gibt‘s mal Randale unter Beteiligung von Migranten, bescheinigen Konservative und Liberale, es werde mit der „Integration“ nie etwas. Dabei ist es doch seit Margaret Thatcher das Credo der Konservativen und Liberalen, dass es so etwas wie Gesellschaft nicht gebe, also auch nichts, wohinein man sich integrieren müsse.


„Es reicht!“ meinte bild.de. Wahrscheinlich reicht‘s mit der Gewalt. Das stimmt. Man hat ja kaum noch Zeit, sich die Filme von sterbenden Soldaten und explodierenden Panzern anzusehen, die bild.de ins Haus liefert.


Warum wird Heinz Buschkowsky, der vor einigen Jahren sein schmales Bezirksbürgermeistergehalt durch das Schreiben des Bestsellers „Neukölln ist überall“ aufstockte, eigentlich immer noch als Experte angesehen, wenn Vorfälle in Neukölln gerade dadurch, dass sie tagelang in den Schlagzeilen beackert werden, beweisen, dass Neukölln eben nicht „überall“ ist? Der Mann ist alles andere als ein Experte, sondern ein krachend gescheiterter Hobby-Autor.


Ein besonders pfiffiger Zeitgenosse, ein Claudio Casula, fragt auf Twitter, ob es sich denn bei den Pogromen in Hoyerswerda (1991) auch um „gruppendynamische Prozesse“ gehandelt habe. Der Vergleich ist ebenso perfide (verharmlost er doch die zahlreichen Morde der Rechten in den Jahren 1990ff.) wie falsch: Wären die Situationen ähnlich, würde demnächst das Grundgesetz im Sinne der neuköllner Randalierer geändert.


Kaum machen 150 Leute Randale, soll gleich geändert werden, was einem eh nicht passt: So fordert der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, ein Herr Meidinger, in der „Bild“-Zeitung eine „Migrantenquote“ für Schulklassen. Und niemand sagt ihm, was für einen Unsinn er verzapft. Dazu Rudis Kommentar aus Köln: „Ich bin schon ganz gespannt darauf, wie die Eltern aus Rodenkirchen reagieren, wenn ihre Kinder nach Chorweiler gekarrt werden, um da die Migrantenquote zu senken. Und ebenso gespannt, wie sie reagieren, wenn Kinder aus Chorweiler an Rodenkirchener Gymnasien auftauchen. Man kann also Vorsitzender eines Lehrerverbandes werden, ohne eine Ahnung von Schulen zu haben.“ Deutschland ist eben das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Unter diesen Umständen, wenn ich jetzt, wahrscheinlich doch Soldat

Von seinem Vater berichtet Andreas Frege, dass der sich „schon früh für Politik“ interessiert und daher „unbeantwortete Geburtstagsgrüße an Kaiser Wilhelm II ins Exil“ (Campino: Hope Street. Wie ich einmal englischer Meister wurde, S.165) gerichtet habe, was seine „kritische Haltung zum Nationalsozialismus“ belege. Die hatte dann Konsequenzen: „Er wusste, wenn er sich dem politisch neutralen Militär anschließen würde, würden sie ihn in Ruhe lassen. Ein Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte“, denn das Militär entpuppte sich schnell als gar nicht so politisch neutral, aber wer konnte das damals ahnen? Trotzdem konnte der Sohn sich später nicht ersparen, dem Vater eine kritische Frage nicht zu ersparen: „Wie konnte er eigentlich damit leben, als Soldat für ein verbrecherisches Regime gekämpft zu haben? Nicht für Hitler sei er im Krieg gewesen, sagte mein Vater dann, sondern für seine Eltern und Vorfahren und nicht zuletzt, weil er einen Soldateneid geschworen hatte“ (ibid., S.166), der zwar auf den Führer geschworen wurde, aber diese Bemerkung ersparte der Sohnemann dem Vater. Immerhin, ihm kamen Zweifel: „Ich bezweifle bis heute, dass, wer als Soldat in einen solchen Krieg gerät“ (und wer weiß nicht, wie die Soldaten der Wehrmacht dorthin geraten waren, wo sie für nichts konnten?), „darin sauber bleiben kann. Wie ich mich an seiner Stelle verhalten hätte, darüber wage ich nicht zu spekulieren.“ (ibid., S.167)

„Hope Street“ erschien 2020 und handelt hauptsächlich von Freges Begeisterung für den FC Liverpool, seine Reisen zu Spielen des Vereins und was er dabei erlebt und getrunken hat. Die familienbiographischen Exkurse verleihen dem Genre des Rumreiseberichts ein wenig Tiefgang, doch zwei Jahre später verwirft „Campino“ seine pazifistischen Skrupel, denn der Russe, über den Vater Frege „meistens zur Weihnachtszeit“ (ibid., S.171) erzählte, ist wieder, wenn auch noch nicht bei Stalingrad, auf den Plan getreten: „Ich persönlich habe den Kriegsdienst 1983 verweigert. Das würde ich heute, unter diesen Umständen, wenn ich jetzt meine Einberufung bekäme, wahrscheinlich nicht mehr tun“, verriet er im Mai dpa und benannte auch den Grund: „Wir können es uns nicht leisten, völlig wehrlos gegenüber Despoten zu sein, wie Putin einer ist, der alte Machtfantasien auslebt. So einen Mann kann man nur stoppen, wenn er auch Respekt vor der Gegenseite hat.“ Der Respekt Putins vor der Gegenseite wird nicht geringer dadurch werden, dass die „Toten Hosen“ angesichts ihres fortgeschrittenen Alters allenfalls bei der Truppenbetreuung zum Einsatz kommen werden, was der verspäteten Meldung des Schützen Campino zum Dienst aber nichts von ihrer Schleimigkeit nimmt.

Niedliche Nazis

Kaum waren die ersten Nachrichten über die Razzia gegen eine mutmaßliche Verschwörung von AfD-Kadern, Querdenkern, Reichsbürgern und anderen Antisemiten durchgedrungen, lief die große Relativierungsmaschinerie aus der vornehmlich konservativen resp. afd-nahen Richtung an: Susanne Gaschke, ehemals SPD, ehemals – wenn auch nur kurz – Oberbürgermeisterin von Kiel und ehemals „Welt“, fragte in der „Neuen Zürcher Zeitung“: „Haben Deutschlands Sicherheitsbehörden womöglich mit Kanonen auf Spatzen geschossen?“ Auf der „Achse der Guten“ rätselte ein unter dem Pseudonym „Claudio Casula“ publizierender Whiskytrinker, „ob hier nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, um das Narrativ der großen Bedrohung von rechts zu stützen.“ Ein „Narrativ“, das in den letzten Jahren, vorsichtig geschätzt, 14 Menschenleben gekostet hat, aber das muss an „Casula“ wohl vorbegegangen sein, was nicht verwundert, wenn er „harte Ermittlungsergebnisse“ fordert, die angeblich im Fall „eines Franco A. (…) auch nach Jahren allesamt weniger als dürftig kommuniziert wurden“. Es wäre zwar leicht sich zu informieren ( zum Beispiel beim Generalbundesanwalt oder bei nsu-watch Hessen ), aber wahrscheinlich meint „Casula“, als journalistische Kernkompetenz sei die Fähigkeit, Whiskysorten am Geschmack erkennen zu können, wichtiger als Recherche.

Ebenfalls seine Leser für dumm verkaufen möchte Roland Tichy, Herausgeber des gleichnamigen Magazins: „Am Erschreckendsten aber ist, dass Nancy Faeser sich mit ihrer Inszenierung unwidersprochen des Staatsapparates bedienen konnte.“ In der Tat ein Skandal: die im Kabinett für die innere Sicherheit zuständige Ministerin setzt den Staatsapparat in Bewegung, wenn sie die innere Sicherheit bedroht sieht. Tichy richtet an die beteiligten Beamten einen schweren, wenn auch nicht allzu originellen Vorwurf: „Keiner hat die Traute zu sagen: Frau Ministerin, schießen wir hier nicht auf Kanonen auf Spatzen?“Nicht fehlen darf in diesem Zusammenhang der Hinweis auf „räuberische Clans“ (also kriminelle Migranten bzw. jeden, den Tichy dazu zählt), gegen welche die Beamten sinnvoller eingesetzt gewesen wären.

Im weiteren Verlauf der Berichterstattung wurde über den „Rollatorputsch“ gespottet (übrigens von Leuten, die einen 70jährigen für einen fähigen Kriegshelden halten und einem 76jährigen dahingehend vertrauen, dass er eine Verschwörung aus QAnon und tiefem Staat aufdecken wird), die Prepperitis des Verschwörerclans wurde mit dem Hinweis auf „Raviolidosen“ ausgeschmückt und die anfangs nur spärlichen Waffenfunde banalisiert. Die Intention aber dieser propagandistischen Offensive dürfte klar sein: Sie soll davon ablenken, dass eine ranghohe Politikerin einer im Bundestag vertretenen Partei in eine Verschwörung, die einen rechten Putsch zum Ziel hatte, verwickelt war, eine Verschwörung, an der (nicht nur ehemalige) Elitesoldaten teilnahmen. Das redundante Geschwafel von den Spatzen, auf welche angeblich mit Kanonen geschossen werde, suggeriert, man dürfe die Bande erst dann dingfest machen, wenn sie mit Schusswaffen im Bundestag steht. Generös ignoriert wird dabei auch die zwielichtige Rolle, die Polizisten und Verfassungschützer bei vergangenen Manifestationen rechter Gewalt (NSU, NSU 2.0) spielten, von der Bundeswehr (Franco A. ist kein Einzelfall) ganz zu schweigen.

Zudem dienen die Verniedlichungsbemühungen der durchaus bewussten Abschreckung davor, sich mit dem rechten Milieu, das sich im Moment vor Zuwendung (CDU-MP trifft neurechten Dichter, den die „Welt“ zum „Dissidenten“ verklärt, CDU stimmt mit AfD gegens „Gendern“ usw.) aus dem noch nicht ganz so rechten Milieu kaum zu retten weiß, näher zu befassen. Jede*r weiß, dass die AfD in den letzten Jahren konsequent nach rechts gerückt ist, jede*r weiß, dass sie eine Bedrohung für alle ist, die von ihr und ihren Mitgliedern als „fremd“ gelesen werden, aber das hindert die Herrschenden nicht daran darüber nachzudenken, ob man sie nicht doch – irgendwann, bald oder irgendwann bald – gebrauchen kann, wenn es gilt, die Folgen der Krise auf die ganz Armen abzuwälzen.

Puschkin gab ich für Eisen

(alle Zitate aus der taz)

Das letzte Geleit

„Dutzende Trauernde geben zwei Soldaten, die an der Front gefallen sind, das letzte Geleit. Einige hundert Meter entfernt, in der Nähe des Theaters, hat sich eine weitere Gruppe von Menschen eingefunden. „Russische Literatur ins Altpapier“ heißt ihre Aktion. Sie findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal in Luzk statt. Die Or­ga­ni­sa­to­rin­nen haben in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, von zu Hause Bücher russischer Au­to­rin­nen mitzubringen, sie ins Altpapier zu geben und mit diesem Geld die ukrainische Armee zu unterstützen. Dutzende Personen haben sich am Theater eingefunden.“

Den Kopf frei bekommen

„Die Altpapiersammlung russischer Bücher hat zwei Ziele: unseren Kopf frei zu bekommen von diesen russischen Narrativen und die Armee zu unterstützen“, sagt Tatjana Scherschen, eine der Organisator*innen. Sie ist die künstlerische Leiterin des Kulturpalasts in Luzk. Die Einrichtung wird die gesammelten Bücher als Altpapier verkaufen, das dann zu Toilettenpapier oder Pappbechern für Kaffee verarbeitet wird.“

Eine deutsche Leserstimme

„Man entfernt die Kultur des ehemaligen Kolonialherren während der einen Vernichtungskrieg gegen das eigene Volk führt. Ist jetzt nicht die große Neuigkeit, dekolonialisierung der Köpfe ist auch wichtig und die Ukraine hat genügend eigene gute Autoren braucht die russischen nicht.“

Vollgepackte Autos für ein Auto an der Frontlinie

„Auch anderswo wird aussortiert. In der Stadtbuchhandlung von Kiew, „Sjaiwo knigi“, kamen ganze 25 Tonnen zusammen.„Mehr als 1.700 Ein­woh­ne­r*in­nen von Kiew haben mitgemacht. Sie trugen die Bücher auf ihren Armen, in Koffern, transportierten sie in voll gepackten Autos, schickten sie mit einem Taxi oder per Post.“, teilt die Buchhandlung mit. „Es wurden 48.000 Bücher gesammelt, für die wir 100.000 Hriwna (umgerechnet 2.620 Euro) erhalten haben. Das Geld wird verwendet, um ein Auto für ein Bataillon an der Frontlinie zu kaufen“, hieß es weiter.“

Der praktische Nutzen

„Die Leute haben viel Kinderliteratur, Comics, Zeitschriften, aber auch Sammelbände von Anton Tschechow und Alexander Puschkin und Lew Tolstoi – fünf Exemplare von „Anna Karenina“ – hierhergebracht. Aber es gibt auch viele Enzyklopädien. „Das ist jetzt der praktische Nutzen von Puschkin und Dostojewski“, sagt ein alter Mann, der Bücher auf einem Wägelchen hinter sich herzieht. „Die russische Geschichte geht in die Geschichte ein“, sagt ein anderer Mann. Ein Ehepaar aus Luzk bringt 70 Kilogramm russische Literatur mit, um sie zu Altpapier zu machen. Ljudmila Romanjuk, die 1976 von Luhansk nach Luzk gezogen ist, hat ihre Bibliothek zu Hause entrümpelt. Das Ergebnis: 160 Kilo fürs Recycling. Die russischen Bücher verschwinden nicht nur in Privatwohnungen aus den Regalen, sondern auch in Bibliotheken. Die Direktorin der wissenschaftlichen Bibliothek in Luzk, Ljudmila Stasiuk, erzählt, dass die meisten russischen Bücher im Mai entfernt und eingelagert worden seien.“

Wütende junge Leute

„In der Jugendbibliothek des Gebietes Wolhynien hätten die Le­se­r*in­nen das selbst initiiert, lange vor der offiziellen Anordnung der Regierung. „Die jungen Leute sind schon im März zu uns gekommen. Sie waren wütend, als sie in den Regalen Alexander Puschkin und sowjetische Kin­der­buch­au­to­r*in­nen gesehen haben“, sagt Alla Efremowa, die Leiterin der Jugendbibliothek. Ungefähr 35 Prozent des Bestandes in ihrer Bibliothek sind Bücher in russischer Sprache. Die Bibliotheken folgen damit der Anordnung des Ministeriums für Kultur und Informationspolitik der Ukraine. Darin heißt es, Propagandaliteratur sei aus ukrainischen Bibliotheken zu entfernen.“

Noch eine deutsche Leserstimme:

„Es ist ein Versuch der Entkolonialisierung. Nicht sämtliche russische Literatur wird etwa verbannt, aber die Dominanz wird auf einen angemessenen Anteil zurückgedrängt, um Platz für ukrainische Kultur und die Kultur anderer Länder zu schaffen. War doch nach dem Ende der DDR ähnlich: Tolstoi schön und gut, aber Gaidar, Ostrowski und Majakowski sind dann doch ins Altpapier gewandert. Vieles war einfach ungerechtfertigterweise komplett überrepräsentiert, nicht jede Kleinstadt in Ostdeutschland benötigte noch eine Puschkinstraße.“

Onegin, der Gewaltverherrlicher

„Der zuständige Minister Oleksandr Tkatschenko hatte im Mai gesagt, dass Literatur in Bibliotheken vernichtet werde, wenn sie Gewalt gegen oder die Vernichtung von Ukrai­ne­r*in­nen befördere, die russische Armee verherrliche. Oder wenn es um Schrift­stel­le­r*in­nen gehe, die unter Sanktionen oder auf schwarzen Listen stehen. Im Sommer hatten die Verantwortlichen in der Ukraine beschlossen, russischsprachige Werke von Schriftsteller*innen, deren Werk eng mit der Ukraine verbunden ist, wie zum Beispiel Nikolai Gogol und Michail Bul­gakow, im Lehrplan der Schulen zu belassen. Au­to­r*in­nen wie beispielsweise Alexander Puschkin, Anton Tschechow, Lew Tolstoi oder Anna Achmatowa werden im Unterricht dagegen nicht mehr vorkommen.“

Bulgakows Bastionen bröckeln

„Die Bastionen von Michail Bulgakow – in der Ukraine einer der berühmtesten russischen Schriftsteller – bröckeln. Der Schriftstellerverband der Ukraine will das Bulgakow-Museum in Kiew schließen, aber dessen berühmtes Werk „Hundeherz“ wird teilweise noch Schullektüre bleiben, und zwar dann, wenn Lehrkräfte und Schü­le­r*in­nen das wollen. Der Zustimmung der Lehrkräfte bedarf es auch, um den Roman von Anatoli Kuznenzow „Babi Jar“ aus dem Jahr 2014 im Unterricht zu behandeln.“

Aus Respekt vor den Opfern des Puschkinismus

„Er jedenfalls unterstütze Bestrebungen in dieser Richtung, hatte kürzlich Alexandr Tkatschenko, Minister für Kultur und Informationspolitik, verlauten lassen. Gleichzeitig regte er an, vielerorts Puschkinstraßen umzubenennen. Derzeit gebe es in der Ukraine 400 Puschkinstraßen, und das sei eindeutig zu viel, so Tkaschenko.“

Danke, Katar!

Der Zustand, kein Zweifel, der Welt ist finster: In der Ukraine zeigt sich, dass dem Imperialismus, wenn ihm nichts mehr einfällt, immerhin noch der Krieg einfällt, der in diesem Fall nicht nur mit finsteren faschistischen Symbolen geführt wird, sondern auch von außen mit Waffen und Durchhalteparolen gefüttert wird – für welche Seite das gilt, mag jede*r für sich selbst entscheiden.

Die Türkei greift zur gleichen Zeit Kurdengebiete an, und keinen interessiert‘s. Kurden sind es auch, die den Aufstand im Iran vorantreiben, der aber dem westlichen Teil der Welt außer Gratislob für die Mutigen nur ein müdes Lächeln abverlangt: Man weiß ja nie, ob man es sich mit den Mullahs verderben sollte. Zumal eine mehr oder weniger dezente Faschisierung auch für Europa ein womöglich taugliches Krisenbewältigungsmodell sein könnte. Die FAZ tastet sich schon vor und nennt das Bündnis von Berlusconi, Salvini und Naziblondie Meloni eine „Mitte-Rechts-Koalition“, und während man sich noch fragt, wo denn da die Mitte sei, paktiert die CDU Thüringens aus irgendeinem albernen Anlass („Gendern“) mit der AfD. Ein Testlauf offenbar, und für diese Verlobung musste sich die Braut Höcke gar nicht einmal hübsch machen, man hat sie sich schön gesoffen.

Von Thüringen schnell wieder in die Welt: der geht es schlecht und weil das so ist, legen sich mutige Jugendliche mit Autofahrern und Polizisten an und werden dafür von Pressmaulhelden als „Terroristen“ bezeichnet. Drunter tun sie‘s nicht, denn die Scheußlichkeit der Weltverhältnisse muss vom Schreibtischstuhl aus ebenso tapfer wie wütend verteidigt werden.

Reden wir nicht von den Armen in Deutschland, von denen zwei Millionen anstehen müssen, um altbackene Brötchen und welken Salat geschenkt zu bekommen, reden wir nicht von den Reichen in Deutschland, deren Vermögen ungebremst wächst, reden wir lieber von den ganz Reichen, der Herrscherclique in Katar, die sich den Traum eines jeden rich kid erfüllt hat: einmal die besten Fußballer der Welt für sich spielen zu lassen. Und warum? Na, weil sie es können. Doofe Frage.

Dass sie selbst nach den bescheidenen Maßstäben Gerhard Schröders keine lupenreinen Demokraten sind – geschenkt, wen hat das 1978 in Argentinien gestört? Dass sie dem Westen Doppelmoral vorwerfen – so richtig wie billig, Doppelmoral zählt zur ideologischen Grundausstattung des Westens, der beklagt, dass beim Bau der Stadien Tausende Wanderarbeiter ums Leben kamen und noch viel mehr ausgebeutet wurden. Abgesehen davon, dass westliche – auch deutsche – Architekturbüros am Bau dieser Stadien kräftig verdienten, geht man anscheinend davon aus, dass alle andere Waren – Smartphones, Kleidung etc. – unter größtmöglichem Arbeitsschutz und mit angemessener Bezahlung produziert wird. Gerne wird Katar auch vorgeworfen, dass die Stadien nach der WM kaum genutzt werden. Ja und? Schon einmal was von Keynesianismus gehört? Und ist es nicht immer noch besser, dass die rich kids sich ein paar Protzbauten in den Sand setzen, als dass für den Bau und Unterhalt von WM-Stadien – WM 2006, „Sommermärchen“, you remember? – klamme deutsche Kommunen, in deren Schulen die Fenster schimmeln, blechen müssen?

Nein, man muss Katar dankbar sein, dass dieses Land mit der WM auch dem Letzten die abgrundtiefe Obszönität der Weltverhältnisse bewies. Der Fußball, das Spiel, das den Proletariern gehört, das Spiel, das bei aller Regelhaftigkeit immer Raum lässt für Anarchie und dem faschistischen Ideal des heldenhaften Einzelkämpfers die Schönheit des Kollektivs entgegensetzt, dieses Spiel befindet sich in den Händen geistesgestörter megalomanischer Geschäftsleute und ihrer durch und durch korrupten Zuarbeiter. Was liegt also näher, als es daraus zu befreien? Aus einem Fußballspiel ist 1969 schon einmal ein Krieg entstanden, warum nicht 2022 eine Revolution? Schlechter als jetzt (s.oben) kann es eh nicht werden. Danke, Katar, dass du uns das vor Augen geführt hast.

Der deutsche Mittelstand meldet sich aus Anlass zweier Preisverleihungen in Fragen der Literatur zu Wort.

Eine Zitatcollage. (Rechtschreibung wie im Original)

Mir war der Name der Dame kein Begriff, ich wusste (nicht ahnte; WUSSTE) aber sofort beim Hören der Meldung, dass mit der etwas “nicht stimmen” kann. Eine unangenehme Person, keine Frage, die in meinen Augen geradezu abscheuliche Ansichten hat und Absichten verfolgt. Die blindeste aller Nobelpreisträgerinnen hat das Gesicht zu ihrer Klugheit, wie ich diese Oneworld-Tussie verachte. Wer kennt die? Und wer liest solchen Stuss, und kauft sich sogar noch ein Buch? Als ich am Tag der Verleihung in einem gut besuchten Antiquariat laut fragte, wer Annie Ernaux kenne, meldete sich nur eine ältere Frau, Typ feministische Linksintellektuelle, vielleicht Lehrerin. Dass die woke Journaille entzückt ist, wundert mich nicht! Erneaux trifft genau die Gesinnung, die im vorherrschenden rotgrünen, woken Kosmos en vogue ist! Das ist die schwedische Marxistenblase. Der heutige Literaturnobelpreis entspricht ungefähr dem damaligen Karl-Marx-Orden der DDR. Den hat ja auch die Jelinek bekommen. Wer meiner Meinung nach bei den Literatur Nobel Preisen fehlt ist Ayn Rand, die Grüchteküche sagt, Houellebecq hätte es werden sollen. Der hätte es wenigstens echt verdient. Salam Rushdie wäre ein Kadidat gewesen, Houellebecq wäre klasse gewesen! Ich würde Haruko Murakami vorschlagen. Er hätte den Preis schon längst verdient! Wann kriegt Michel Houellebecq den Literaturnobelpreis?

Früher musste Eintritt dafür gezahlt werden, irgendwelche Randgruppen selbst darstellende Tunten in ihren kleinen Varietétheater zu erleben. Das Geschäft läuft nicht mehr, nun ist es das gesamte Land, dass diese Show, aus meiner Sicht eine kranke Show einer Minderheit, kostenlos erleben soll. Es ist einfach nur ekelhaft. Wenn interessiert es, was das Autor-Dings sich in den Hintern gesteckt hat? Dieser Typ ist ein Fall für die Klapse. Wieso läuft der noch frei rum oder weshalb hat man sowas rausgelassen. Ein weiterer Spinner, den die Welt nicht braucht. Diese nonbinäre Sache scheint wirklich eine geistige Störung zu sein. Der Wahnsinn geht viel weiter als sich das irgendjemand vorstellen kann. Die sind doch alle bloß verrückt. Diese Gesellschaft ist in der Auflösung begriffen. Und all diese irregeleiteten Gestalten, die man da erschafft, ob divers, pervers, queer oder längs, mit oder ohne, nonbinär oder Teddybär, werden in Bälde alle Therapeuten, Coaches, Psychologen , Psychiater, Chirurgen und Internisten und vieles mehr brauchen, natürlich alles auf Krankenschein, wenn sie in ihrem Dasein als Randerscheinungen der Gesellschaft dahin vegetieren, und merken, daß vielleicht doch nicht alles so toll ist, wie sie sich das vorgestellt haben. Und dan klingelt die Kasse nochmal, auf unser aller Kosten. Vielleicht ist es tatsächlich mal wieder dran, daß wir echte Probleme bekommen, dann ist zumindest dieser Zirkus vorbei. Wer noch Zweifel hat an dem bösen Wort “Gleichschaltung”, also der Abwesenheit jeglichen Einspruchs, jeglicher Subversion, braucht nur fern zu sehen. Aus den schicken neuen Auto hinein in die noch schickere Einbauküche steigen fast ausnahmslos: Schwarze. Statt Minderheiten – jetzt eben Normalo-Bashing. Ein mittlerweile allgemein goutiertes Schmähen des “alten weißen Mann”, also die Reduzierung einer Abwertung auf Geburtsdatum und Hautfarbe, ist nicht mehr weit weg vom “ewigen Juden”. Das genau ist der “spirit” aus dem jetzt Figuren wie Kim Horizon auf den Schild gehoben werden. Also liebe Kids, Penis raus, die Muschi rasiert und dann behaupten, man wäre das Gegenteil, von dem was man ist und schon fließen die Dollars.

Radikaler Kartoffelbrei oder Mitteilungen aus der Mitte der Gesellschaft über Menschen, die Glasscheiben beschmieren oder Straßen blockieren. Eine Zitatcollage

Was sind das für durch und durch verdorbene Fratzen. Was ist da schief gelaufen? Wieso Kunstwerke beschädigen? Ich verstehe es nicht! Nennen sich „Letzte Generation“ – und sind es auch: die Letzten. Eine Schande für ihre Generation – für die sie eben nicht stehen. Doch scheitert es noch zu oft mit der Erziehung: Dumme, verzogene Kinder, denen es offenbar immer zu gut ging! Eine Minderheit. Brüllend laut. Neurotisch und narzisstisch: wohlstandsverwahrloste Rotzlöffel, auf dem Diskussionsniveau von Dreijährigen, die sich vorm Süßigkeiten-Quengel-Regal an der Supermarktkasse – oder bei den Vegan-Fruchtgummis im Bioladen – trommelnd und brüllend auf den Boden werfen. Ich will! ICH will!! ICH WILL!!!

Sie sind keine Aktivisten. Sie sind eine Gefahr. Sie stehen außerhalb der zivilen Gesellschaft. Die Botschaft aus der Mitte der Gesellschaft muss sein: nicht in diesem Ton! So nicht, nicht mit uns! Zerstören, angreifen, Rettungswagen behindern – das ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Wesenskern der Radikalinskis: selbstklebende Klima-Kriminelle. Die klebenden Rotzlöffel dienen keiner Sache außer ihrem Narzissmus. Die kleinen Kriminellen könnten auf direktem Wege in den Terror sein, wenn sie nicht bald mal runterkommen. Die Klima-Kleber und Bilderstürmer sind ein Fall für Polizei und Gerichte, nicht für Talkshows und ernsthafte Diskussionen. Die Chaoten in die Mitte der Gesellschaft zu lassen, wäre als würde man mit Verkehrsrowdys die Straßenverkehrsordnung neu diskutieren, mit Handtaschendieben die Eigentumsfrage.

Halbstarke Klima-Gören schmieren Kartoffelbrei auf einen Monet, Tomatensuppe auf einen van Gogh, kleben an der Sixtinischen Madonna und auf den Straßenkreuzungen unserer Großstädte. In Potsdam besudelt die LetzteGeneration ein wunderbares Monet-Gemälde mit Kartoffelbrei und deutsche Medien verherrlichen diese durchgeknallten Barbaren auch noch als „Klimaaktivisten“! Und wollen was? Gefolgschaft? Gehört werden? Dass man ihre Forderungen erfüllt? Was kommt denn bitte nach den Anschlägen auf Gemälde? Was nach den Blockaden? Wie weit wollen die Klima-Randalos gehen? Statt diejenigen, die Steuern erwirtschaften, mit solchen Aktionen auch noch zu bestrafen: Sucht Euch endlich einen Job!

Gut, ein paar von ihnen sind wirklich noch sehr jung. Die Jugend darf ja vieles – ganz besonders: sich irren. Nur dann müssen auch mal Erwachsene – wie die Polizei, Richter und Politiker – kommen, und den irrlichternden Nachwuchs einnorden und bei Bedarf und Volljährigkeit auch einbuchten. Denn es ist an Erwachsenen und Demokraten, sie in die Schranken zu weisen. Wer Straftäter, Blockierer und Vandalen beklatscht, der ist nicht besser als das Geschwader an Helikopter-Eltern, die die grenzenlose Erziehung vermasselt haben. Wer diese Anschläge verharmlost, Tomatensuppe und Kartoffelbrei auf dem Schönsten, was Menschenhände je erschufen, lobt, ist raus. Klebt sich mit ins Abseits.

Nein, sie haben es verbockt. Nein, sie stehen im Unrecht. Bis Oberkante Unterlippe. Die Anschläge der Klima-Krakeeler – ja, jede Blockade ist ein Anschlag auf den Alltag – sind keine PR-Aktionen mehr. All dies sind weitere Schritte im Radikalisierungsprozess, die früher oder später, sofern sie nicht gestoppt werden, auch in physischer Gewalt enden werden. Die hierbei zu erkennenden Parallelen zur RAF sowie die sektenartigen Strukturen werden zunehmend von Politologen und Forschern beschrieben und sollten eine Lehre für den Umgang mit radikalisierten Gruppierungen sein. Sie fordern aktuell Tempo 100 auf Autobahnen sowie wie auch immer gearteten Gesetzesänderungen zum Klimaschutz. Und die Bundesregierung schaut schweigend zu!

Während die Ampel den Klimawandel vorschiebt, um ein ganzes Land abzuwirtschaften, sind diese Extremisten der verlängerte Arm. Wie in England jetzt rausgekommen ist, wird die dortige Sekte vom Soros Netzwerk finanziert ! Ich bin mir sicher, dass unsere Sekte von LetzteGeneration auch der Elite dient! Jetzt bin ich auf kreative Erklärungen gespannt.

Alles richtig gemacht, liebe Polizei

Mitteilungen aus der Mitte der Gesellschaft über den Tod eines Jugendlichen. Eine Zitatcollage (Rechtschreibung wie im Original)

Ein bißchen zu fest angepackt, eine blaues Auge und schon haben wir es mit Polizeigewalt zu tun. Was ist so schwer daran zu verstehen, dass die Polizei in Deutschland das GEWALTMONOPOL besitzt? Mir ist ein toter Angreifer lieber als ein verletzter Polizist. Es ist der Job der Polizei in diesem Fall von der Waffe Gebrauch zu machen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Aber Wer hier so “verstörende“ Erfahrungen mit der Polizei macht, kann ja in seine Heimat zurückkehren oder ein anderes Land bereichern. Darüber hinaus Frage ich mich: Was würden so manche, die jetzt so vehement Konsequenzen fordern tun, wenn sie selbst einem bewaffneten, aggressivem Mann gegenüber stehen würden der die hiesige Landessprache nicht spricht? Wen ruft Ihr dann?

Richtig gehandelt. Sorry, wer sich mit einem gezogenen Messer mit Menschen anlegt, in diesem Fall sogar mit Polizisten, hat kein besonderes Mitleid verdient. Er kostet jetzt uns Steuerzahlern kein Geld mehr. Wer mit dem Messer droht hat es nicht besser verdient. Es geht darum, den Täter zu stoppen. Ich bin froh, dass dies hier gelungen ist. Es wäre nichts passiert, wenn er den Polizisten nicht mit einem Messer angegriffen hätte. Wer sich in Geahr begiebt, kann darin umkommen. Hoffentlich spricht sich das herum in den zu Attacken neigenden Personengruppen.

Es ist allerdings wenig überraschend, dass es wieder widerliche Gestalten gibt, die diese Tragödie für ihre politisch-ideologische Hetze instrumentalisieren. Mein Mitgefühl gilt dem Polizisten der sich verteidigt hat. Mein Mitgefühl gilt dem Beamten, der in Ausübung seiner Pflicht jetzt mit einem Strafverfahren konfrontiert ist und dem Gefühl einen Menschen getötet zu haben, klar kommen muss. Mein Mitgeühl gilt dem Schützen, Ihm wird sicherlich der Vorwurf gemacht werden, angesichts der Bedrohung ein unangemesses Mittel zur Geggenwehr verwendet zu haben. Die Angehörigen einschlägiger Kreise werden jedenfalls auf dem armen Schützen herumtrampeln. Es tut mir leid, dass das Leben eines jungen Mannes instrumentalisiert wird, um Polizisten und Polizistinnen zu diskreditieren, denn die Polizisten halten für uns den Kopf hin, bei Demos, bei Kriminellen, im Einsatz gegen gewalttätige Klima-Chaoten. Ihr lieben Polizisten, Ihr könnt einem nur noch Leid tun Ich hoffe der Beamte hat keine seelischen Schäden. Am Ende des Tages zählt nur eins, dass die Polizei-Beamten unverletzt zu ihren Familien zurückkehren.

Respekt für Ihren Einsatz. Dank diesem Ergebnis sind die Strassen in D wieder etwas sicherer geworden. Was wir uns in Deutschland von den angeblich Schutzsuchenden alles bieten lassen müssen, ist unfassbar. Alles richtig gemacht, liebe Polizei. Dadurch wurden unsere Straßen wieder etwas sicherer. Danke und Respekt von mir. In Deutschland muss niemand Angst vor der Polizei haben. Ich stehe hinter unserer Polizei!

Annie Ernaux, der Nobelpreis und die Literaturkritk

…und du musst dich schon fragen, ob du nicht irgendwie selbst daran schuld bist, dass dich ein kleiner dicker weißer Mann anhimmelt, davon schreibt, dass du „einen wunderbaren Schalk im Nacken“ habest, dass dich auch mit 82 noch „ein erotisches Flair“ umgebe, dass er sich „spontan“ in dich verliebt habe … warum werden sie denn so klebrig und übergriffig, diese Typen in den Redaktionsschreibstuben? Hat es vielleicht damit zu tun, dass sie dich unter dem Label „AutoFiktion“ abheften können, dass sie glauben, dass du nichts weiter zu erzählen hast als dein eigenes Leben? Und wenn du dann noch aus einer Klasse stammt, die sie verachten, werden sie erst recht kumpelig und wuschig, weil sie glauben, dass das alles stimmen muss, was du erzählst, weil du doch zu doof bist, dir irgendetwas auszudenken oder dein Leben auszuschmücken, deswegen glauben sie dir alles unbesehen, und es wäre ja mal einen Gedanken wert, sich auszumalen, was passieren würde, wenn du, Annie Ernaux, mitteilen würdest, du hättest gar keine Abtreibung gehabt, ätschibätsch, oder dass dein 1. Geschlechtsverkehr nicht von einem schmierigen Beau erzwungen wurde, sondern richtig geil war, weil du einen armen Wicht, der dich vergötterte, dazu benutzt hast – dass du dir also das, was du als dein Leben verkaufst, nur ausgedacht hast – jede Wette, sie würden dir‘s krumm nehmen, würden sich verarscht fühlen und eingeschnappt behaupten, deine Texte seien nun nichts mehr wert, dabei sind sie es doch, die nichts schnallen, nicht schnallen, dass Literatur Lüge (Nabokov) ist und eben deswegen Wahrheit.

(Oder nehmen wir Wolfgang Welt, dem auch alles unbesehen geglaubt wird, der als naives Hascherl gehashtagt wird, weswegen ein deutscher Germanistikprofessor sich auch nicht entblödet, bei der schriftlichen Schilderung einer Begegnung mit Welt dessen Ruhrpottslang nachzubilden – denn auch die Herren Professoren blicken herab auf die, deren Herkunft sie verachten (und die trotzdem mehr geschaffen haben als all die verbeamteten Windbeutel je schaffen werden)).